Urban Greening for urban Climate

    Studienprojekt des 3. Fachsemesters unter Leitung von Fred Meier

    Projektbeschreibung

    Die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf das Klima sind sehr heterogen. Oft ist das Netz aus Ursache und Wirkung so eng und komplex, das die klimatische Wirkung einer Modifikation z.B. durch Urbanisierung oder allgemein die Umwandlung eines Bestandteils des klimatischen Systems, teilweise unbekannt ist. Deshalb ist es wichtig das klimatologische Wissen über die gegenseitigen Beziehungen im System zu sichern und zu erweitern. Das eröffnet die Möglichkeit bereits im Planungsprozess ungewünschte Wirkungen durch unachtsame Modifikationen der Umwelt zu vermeiden.

    Innerhalb des Projektes werden sich die Teilnehmer/Innen intensiv mit den Modifikationen der städtischen Umwelt, insbesondere die Modifikationen der Strahlungs- und Energiebilanz durch die Bebauung, beschäftigen und ihre Wirkung auf das Stadtklima herausarbeiten. Zudem sollen Grundlagen zu den unterschiedlichen Formen der Dach- und Fassadenbegrünung erarbeitet werden.
    Auf dieser vorwiegend theoretischen Basis sollen im zweiten Teil des Projektes die Möglichkeiten der klimatischen Optimierung von Gebäudekomplexen durch Bauwerksbegrünungen anhand von zwei Objektbeispielen untersucht, bewertet und entwickelt werden. Darüber hinaus sollen Fähigkeiten der Projektorganisation, der Präsentation von Ergebnissen und des Zeitmanagements angewandt und geschult werden. Die feststehenden Untersuchungsobjekte, d.h. ein Gebäude bzw. Gebäudekomplex in Berlin, sollen ein realitätsnahes Studium ermöglichen.
    Im ersten Teil des Wintersemesters 08/09 wurden die Ursachen und Auswirkungen der Modifikation der städtischen Umwelt herausgearbeitet und Grundlagenwissen der Dach- und Fassadenbegrünung erarbeitet. Konkreter wurde es dann im zweiten Teil des Semesters. Das Projekt teilte sich in vier Kleingruppen auf, die unterschiedliche Fragen zur Bauwerksbegrünung erörterten.

    Ergebnis
    So unterschiedlich wie die behandelten Themen der Kleingruppen waren, fielen auch die Ergebnisse aus. Die sogenannte Dachbegrünungsführergruppe ermittelte das Potenzial und den Bestand von Bauwerksbegrünungen in Berlin. Sie stellten fest, dass Berlin sein Potenzial von rund 90 km² nicht ausnutzt und der Bedarf im Bezirk Mitte und Charlottenburg am höchsten ist. Schwierigkeiten bekam die Gruppe bei der Beschaffung von Daten, sodass sie Verantwortliche wie die Stadt Berlin oder nachfolgende Studentengruppen dazu aufruft, diesen Mangel zu beheben. Im Ergebnis wurde ein Dachbegrünungsführer veröffentlicht, der exemplarisch Dach- und Fassadenbegrünungen in Berlin vorstellt und dazu anregen soll über den verstärkten Einsatz von Begrünungen im Stadtraum zu diskutieren. Es wird auch darauf hingewiesen, dass Potenzial von Fassadenbegrünungen nicht zu vernachlässigen, wobei auch hier wichtige Datengrundlagen fehlen.

    Weitaus praxisnaher wurde es dann in der Kleingruppe Hausentwurf. Nach der professionellen Einmessung einer Kindertagesstätte in Potsdam wurde mit Hilfe von AutoCad ein 3D-Modell des Gebäudes erstellt. Die Gruppe ging dann der Frage nach, inwiefern die Pflanzenauswahl für die Dachbegrünung optimiert werden könne, kam aber zu dem Ergebnis, dass eine bestimmte Auswahl an Pflanzen nicht sinnvoll ist, da z.B. die Dachfläche zu homogen ist. In einem weiteren Schritt wurde dann ein Leistungsverzeichnis erstellt, welches die genauen Kosten für die selbst geplante Dachbegrünung aufschlüsselt. Zusätzlich erstellte die Gruppe einen Energiepass nach der Energieeinsparverordnung, aus dem hervorgeht, dass durch diverse Sanierungsmaßnahmen viel Energie eingespart werden kann. Erfreulich ist, dass die Kindertagesstätte in Potsdam den Entwurf für die Dachbegrünung umsetzen will, sofern sie finanzielle Mittel vom Staat erhält.

    Eine weitere Gruppe analysierte das Mikroklima auf der Dachbegrünung einer Kindertagesstätte in Potsdam mit Hilfe des Programms TownScope. Aus Zeitgründen schränkten sie die vielfältigen Optionen des Programms jedoch ein. Sie mussten feststellen, dass die langwellige Strahlung von TownScope nicht berücksichtigt wird, also auch nicht ermittelt werden kann. Im Abschluss ihrer Arbeit entstand eine theoretische Analyse der kurzwelligen Strahlung einer Dachbegrünung, bei der u.a. festgestellt wurde, dass aufgrund des wandernden Sonnenstands die West, Süd- und Ostfassaden am meisten Energie erhalten. Ihr Ratschlag ist deshalb, diese Fassaden für die Begrünung einzusetzen, da die Pflanzen mehr Energie erhalten und ihr Isolationseffekt besser genutzt werden kann.

    Die vierte Kleingruppe des Projektes erstellte ein eigenes Messkonzept für eine Dachbegrünung und baute das Messgerät Minilysimeter selbstständig. Ihre Konstruktion des Minilysimeters war einfach herzustellen aus Draht, Vlies und Blumentöpfen aus Kunststoff, jedoch stellen sie die Effektivität bislang in Frage. Ihr detailliert ausgearbeitetes Messkonzept für eine intensive und eine extensive Dachbegrünung, die für Forschungszwecke von der TU-Berlin errichtet werden, wird möglicherweise auch in die Praxis umgesetzt.
    Abschließend lässt sich feststellen, dass alle Teilnehmer des Projektes erkannt haben, inwieweit Dach- und Fassadenbegrünungen einen Teil dazu beitragen können das besondere Stadtklima positiv zu beeinflussen. Es sind aber noch diverse Forschungen und Erhebungen notwendig, sodass wir nachfolgende Studienprojekte dazu anregen wollen, sich intensiver mit der Thematik des Stadtklimas, vor allem mit Bezug auf den Klimawandel, und Bauwerksbegrünungen zu beschäftigen.

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Fachgebietsleiter:

Prof. Dr. Dieter Scherer

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Fachgebiet Klimatologie
Institut für Ökologie
TU Berlin
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