Kopfweiden und Waldmoore – Klimaschutz und Kulturlandschaft am Beispiel des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe

Studienprojekt des 3. & 4. Fachsemesters
Projektbericht
Detaillierte Informationen finden Sie im Projektbericht veröffentlicht als DokuWiki unter:
http://www.klima.tu-berlin.de/kopfweiden_waldmoore
Ausgangspunkt
Das länderübergreifende Biosphärenreservat (BR) „Flusslandschaft Elbe" repräsentiert eine der letzten naturnahen Stromlandschaften Mitteleuropas. Es wurde 1997 von der UNESCO anerkannt und ist mit ca. 343.000 ha das größte im Binnenland gelegene BR Deutschlands. Es weist zahlreiche typische Fluss- und Auenstrukturen sowie entsprechende naturnahe Lebensräume auf, eingebettet in eine jahrhundertealte Kulturlandschaft. Die Verwaltung des brandenburgischen Teils des BR (53. 000 ha) ist interessiert an der Entwicklung eines Kopfweidenpflegekonzeptes und an der Renaturierung degradierter Waldmoore.

Ziel
Die Untersuchung dieser Mischung aus Naturnähe und Kulturlandschaft anhand ausgewählter Elemente wie Waldmoore und Kopfweiden und die Erarbeitung von Pflege-und Entwicklungskonzepten für diese, ist Ziel dieses Projektes. Diese Elemente werden aus planerischer Sicht betrachtet, landschaftsplanerische Instrumente werden erprobt und Konzepte zur praktischen Umsetzung erstellt. Die Konzepte werden durch Intensivmessungen in naturnahen und degradierten Waldmoorstandorten untermauert. Auf der methodischen Ebene sollen im Projekt die Fähigkeit zum wissenschaftlichen und zum planerisch-konzeptionellen Arbeiten, die Organisation von Arbeitsinhalten und -ablauf sowie „soft skills“ wie Kommunikation, Moderation und Präsentation trainiert werden.

Inhalt
Die planerische Dimension:
Wir werden uns mit der landschaftshistorischen Entwicklung des Elbe-Stromtals in Brandenburg auseinandersetzen, um zu verstehen wie verschiedene Nutzungsformen die Landschaft prägen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ökologischen, naturschutzfachlichen und kulturhistorischen Bedeutung von Mooren und Kopfweiden sowie mit Renaturierungskonzepten ist vorgesehen. Mit dieser Grundlage, werden wir uns Leitbilder und Zielkonzepte für die Region anschauen und dementsprechend für Teilräume/Fragestellungen bezüglich der Waldmoore und Kopfweiden konkretisieren. Weitere Arbeitsschritte sind eine Bestandsaufnahme, die Erarbeitung eines Bewertungsverfahrens sowie begleitend die Kartierung und Bewertung des Bestandes vor Ort. Ziele sind einerseits die Erarbeitung eines Renaturierungskonzepts von Waldmooren im Rahmen des Klimaschutzes, andererseits ein Kopfweidenpflegekonzept.


Die ökologische Dimension:
Moore sind bekannt für ihre vielfältigen Ökosystemdienstleistungen, so u.a. als sog. Kohlenstoffdioxid (CO2) – Senken (regulierend). Waldmoore könnten damit auch als relevant für den Klimaschutz angesehen werden. Um dies zu untersuchen, sollen im Verlaufe des Projektes die lokalklimatischen Bedingungen und dortigen Transportprozesse von Treibhausgasen wie CO2, Methan (CH4) und Wasserdampf (H2O) auf zwei unterschiedlichen Waldmoorstandorten gemessen und verglichen werden (naturnah vs. degradiert). Die Waldmoore im Untersuchungsgebiet befinden sich inmitten einer durch Waldnutzung geprägten Umgebung, welche relativ artenarm ausgestattet ist (Kiefermonokultur). Daher ist hier neben der Funktion als CO2-Senke auch die Biodiversitätsfunktion (unterstützend) denkbar. Kopfweiden sind geformt von menschlicher Nutzung, haben aber auch eine hohe Bedeutung für den Artenschutz. Durch die konstanten Eingriffe vermulmen und vermorschen die Weiden und es entstehen Höhlen, die von vielen Insekten, Vogel- und Säugetierarten als Lebensräume genutzt werden.


Teilaufgabe Renaturierung von Waldmooren:
Die gewonnenen Erkenntnisse aus der Fallstudie werden mit denen in der verfügbaren Literatur verglichen. Dabei eröffnet sich die Frage, inwieweit sich ein naturnaher Waldmoorstandort von einem degradierten in seinen lokalklimatischen Bedingungen sowie den atmosphärischen Austauschprozessen bezüglich der Treibhausgase unterscheidet, und ob diese Unterschiede durch bestimmte Renaturierungsmaßnahmen (z.B. Wiedervernässung) angeglichen werden könnten. Es soll daher das Klimaschutzpotential von naturnahen Waldmooren im BR näher untersucht werden. Zusätzlich zu der evtl. vorhandenen regulierenden Funktion für den Klimaschutz, gilt es die unterstützende Funktion im Bereich der Artenvielfalt zu quantifizieren und gegebenenfalls Zielkonflikte zwischen beiden Funktionen zu identifizieren.


Teilaufgabe Kopfweidenpflegekonzept:
Das Konzept soll helfen, die dauerhafte Pflege der Kopfweiden im Amt Bad Wilsnack/Weisen zu organisieren. Dazu muss der Pflegebedarf der Bäume dargestellt werden und ein Zeitplan für die Pflege entwickelt werden.

Vorgehen
Im Wintersemester, werden wir uns mit der gemeinsamen Erarbeitung der planerischen sowie klimatologischen Grundlagen beschäftigen. Diese einführende Phase wird durch regelmäßige (wöchentliche) Plena begleitet. Im Sommersemester konzentrieren wir uns dann auf die Erarbeitung der Pflege- und Entwicklungskonzepte, was vorwiegend in Kleingruppenarbeit geschehen wird. Plena werden dann nach Bedarf in unregelmäßiger Folge stattfinden. Die erste Exkursionswoche (10.-14.11.2014) wird für einen Besuch in der Region genutzt, inklusive Treffen mit VertreterInnen der Verwaltung, für die Kartierung des Projektgebietes, Begehung potentieller Moorstandorte und den ersten Messaufbau. In der zweiten Exkursionswoche (8.6.-12.6.2015) werden weitere Messungen und Kartierungen durchgeführt. Hierbei bestünde auch die Möglichkeit der Erkundung des BR Elbe-Flusslandschaften vom Wasser aus mittels einer mehrtägigen Paddeltour.

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Fachgebietsleiter:

Prof. Dr. Dieter Scherer

Postanschrift:

Fachgebiet Klimatologie
Institut für Ökologie
TU Berlin
Rothenburgstraße 12
D-12165 Berlin

Lageplan und Anfahrt

Sekretariat:

Elke Thiessenhusen

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Öffnungszeiten:
Montag - Donnerstag
9 - 14 Uhr
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Projektbetreuung:

Dr. Marco Otto