Kopfweiden und Waldmoore – Kulturlandschaft und Klimaschutz am Beispiel des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe

Mikroklimatische Messungen in einem bewaldeten Übergangsmoor


Ali, L., Nissen, D., Schulz, M.*

*TU Berlin, BSc Ökologie und Umweltplanung, 2015

Abstract

This study examines the microclimate of a peatland located in the north-west of Brandenburg in Germany. Precisely defined, the peatland has to be classified as a transition bog which is surrounded by woods that are part of the protected area called Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. The main goal of the following article is to take a closer look at the temperature profile logged by a measuring station in the middle of the peatland, compared to the profiles logged by the other two stations located on the brinks of it. The data referred to show the temperature measured in the ground-proximate air layer. In order to explain the differences which had been expected to be found in the temperature profiles and which should have been able to shed light on the characteristics of this very special microclimate, especially the two factors air humidity and global irradiance will be taken into consideration. Due to the unfavourable macro weather situation at the time of the measurings though, there could not be proved which reasons in particular cause the specific microclimate of the transition bog. Nevertheless, outcome-based interpretations can be made.

Einleitung

Im Zuge der Klimadebatte wird der klimatischen Ausgleichsfunktion des Ökosystems Moor in jüngerer Zeit eine zunehmend große Rolle beigemessen (vgl. z.B. IPCC 2014). Allerdings liegt der Schwerpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen auf deren Bedeutung im globalen Kontext (vgl. GORHAM 1991; CHARMAN 2002). Das Mikroklima dieser speziellen Ökosysteme ist bislang weniger beachtet und untersucht. In diesem Artikel liegt das Hauptaugenmerk auf den kleinskaligen Prozessen, die ausschlaggebend sind für spezifische Temperaturverläufe in Waldmooren. Kleinskalige Prozesse beschreibt hier die Ausprägung der Klimafaktoren in unmittelbarer Moorumgebung. Unter Waldmoore sind nach Meier (WAMOS-Workshop Berlin, 2006) „alle mit dem Wald verbundenen gehölzbestandenen und gehölzfreien Moore“ zu verstehen, wobei es sich bei der hier untersuchten Moorfläche um ein offenes, aber ringsum direkt an den Waldrand angrenzendes Gebiet handelt. Von insgesamt 8% Moorböden aller Bodentypen in Brandenburg zählen jene im Wald zu den bislang intaktesten Moorflächen des Landes (ebd.). Sie machen nach Schätzungen von LANDGRAF (2005) ca. 38.000 Hektar aus.
Nach § 30 BNatSchG zählen Moore zu den besonders geschützten Biotopen, nach § 18 BbgNatSchAG sind „Maßnahmen, die zu einer Zerstörung oder erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigung“ ebendieser führen können, unzulässig. Weiterhin wird in zahlreichen Strategien, Programmen, Konzepten, Aktionsplänen u. ä. auf Landes-, wie Bundesebene die Schutzwürdigkeit von Mooren hervorgehoben. Beispiele hierfür sind die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (vgl. Kapitel B 1.2.5, BMUB 2007) oder das Waldmoorschutzprogramm Brandenburg des Ministeriums für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg (MULM 2015). In erster Linie wird der Beitrag der Moore zur Klimaregulation genannt, weshalb es umso wichtiger ist, die ökosysteminternen Prozesse zu untersuchen und zu verstehen.
Für die Interpretation der gemessenen Temperaturverläufe im Moor ist es unerlässlich, die Globalstrahlung, sowie die Verdunstung und Kondensation als zentrale klimatische Prozesse heranzuziehen (vgl. auch Studien von HOJDOVA et al. 2005).
Als Globalstrahlung wird die gesamte auf der Erdoberfläche auftreffende Solarstrahlung verstanden (DWD 2015). Folglich ist sie abhängig von der geografischen Breite des Standorts, dem Relief, der Tages- sowie Jahreszeit. Unterteilt wird die Globalstrahlung in direkte und diffuse Strahlung. Während die direkte Strahlung unmittelbar auf die Erdoberfläche trifft, handelt es sich bei der diffusen Strahlung um von Nebel, Dunst oder Wolken gestreute Sonnenstrahlung (PALZ et al. 1996).
Um Aussagen über die Luftfeuchtigkeit treffen zu können, müssen Verdunstung und Kondensation betrachtet werden. Als Verdunstung wird der sich unterhalb des Siedepunktes vollziehende Übergang des Wassers vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand bezeichnet. Hierbei wird der Umgebung Wärmeenergie entzogen (Verdunstungskälte) und findet sich im Wasserdampf als latente Wärme wieder. Bei der Kondensation geht Wasserdampf unter Freisetzung von Wärme (Kondensationswärme) wieder zu flüssigem Wasser über. Überschreitet die relative Luftfeuchtigkeit 100%, ist die Luft übersättigt und die überschüssige Feuchtigkeit kann sich als Nebel niederschlagen (KUTTLER 2013). Verdunstung und Kondensation beeinflussen neben dem Wasserhaushalt der Erde auch ihren Wärmehaushalt entscheidend (SCHÖNWIESE 2008).
Prinzipiell müssen auch weitere Einflüsse des Wasserhaushalts, der das Mikroklima vorrangig prägt, mit in Betracht gezogen werden. Ebenso spielt die Vegetation eine Rolle, denn insbesondere Gefäßpflanzen und Kryptogamen kontrollieren die Evapotranspiration (vgl. CHARMAN 2002; LEMLY & COOPER 2011). Die vorgenommenen Messungen umfassen jedoch, mit Ausnahme der Verdunstung, lediglich die oben näher beschriebenen Klimafaktoren und sollen deren Auswirkungen auf das Mikroklima zeigen. Für den Rahmen der Untersuchungen dieser Studie kann zunächst festgehalten werden, dass die häufige Nebelbildung über Mooren aus der generell höheren Luftfeuchtigkeit, die wiederum vom Wasserhaushalt abhängt, resultiert (SŁOWIŃSKA et al. 2010). Die klimatischen Prozesse Verdunstung und Kondensation sind daher zentral und beeinflussen u.a. die Temperatur dahingehend, dass diese im Tagesverlauf eine weite Amplitude aufweist (hier definiert als Maximaltemperatur minus Minimaltemperatur). Daher gilt, dass Moore als natürliche Orte der Entstehung von Kaltluft dienen und eine Ausgleichsfunktion für die Umgebung erfüllen (HEATHWAITE et al. 1993). Dies gilt als vorrangiges Charakteristikum des Mikroklimas, welches sich definitionsgemäß über eine horizontale Ausdehnung von wenigen Millimetern bis einigen hundert Metern der Mikroskala erstreckt und in den bodennahen Luftschichten ausgebildet wird, also stark von der Oberfläche abhängt (DWD 2015). So erwärmt sich beispielsweise ein Moorboden aufgrund seiner thermischen Eigenschaften langsamer im Jahresverlauf als ein mineralischer Boden (MARKERT 2012). Ebenso weisen Moorböden aufgrund des Wassergehaltes eine signifikant höhere Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit auf (GÖTTLICH 1990). Bezüglich der untersuchten Messwerte wird aufgrund der von Verdunstung und Kondensation bestimmten mikroskaligen Temperaturverhältnisse, sowie Bodeneigenschaften, speziell die bodennahe Temperatur herangezogen. Diese sollte aufgrund der höheren Verdunstung und der damit verbundenen stärkeren Verdunstungskälte über dem Torfkörper niedriger sein als über einem Mineralboden. Nach GÖTTLICH (1990) erstreckt sich dieser Einflussbereich von der Bodenoberfläche bis in ca. 2 Meter Höhe, was demnach als bodennaher Wirkraum definiert wird. Bezüglich der Fragestellung sollte sich die Verdunstungskälte auch in den Werten der in der Moormitte gemessenen Temperatur wiederspiegeln, die so niedriger als an den Randstandorten ausfallen müssten. Um den zweiten hier untersuchten Klimafaktor mit einzubeziehen, muss außerdem angenommen werden, dass die Globalstrahlung eine höhere mittlere Temperatur des südexponierten Standortes bedingt, vergleicht man den Temperaturverlauf der zwei Randstandorte. Es werden nun, unter besonderer Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit, die Messungen in diesem Waldmoor analysiert, welche bezüglich folgender Frage Aufschluss über das spezielle Mikroklima Moor geben sollen:
Unterscheiden sich die bodennahen Tagestemperaturverläufe an drei verschiedenen Standorten innerhalb eines Waldmoores?

Vor dem Hintergrund oben erläuterter Klimafaktoren und -prozesse werden folgende Hypothesen aufgestellt, die im Folgenden ausführlich untersucht werden:

  1. In der Moormitte ist die bodennahe Lufttemperatur niedriger als an den Randstandorten.
  2. An einem südexponierten Moorrandstandort ist die bodennahe Lufttemperatur höher als an einem nordexponierten Moorrandstandort.

Daten und Methoden

Abbildung 1 Lage des Untersuchungsgebiets Mörickeluch (nach Openstreetmap und Wikipedia)

Das Untersuchungsgebiet Mörickeluch befindet sich südlich von Perleberg im Landkreis Prignitz in Brandenburg (vgl. Abb. 1). Es handelt sich um ein Übergangs- und Schwingrasenmoor von 11,32 ha (LUGV 2015) in den Moorwäldern des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe. Zudem unterliegt es dem Schutzstatus des seit 2011 bestehenden Naturschutzgebietes Bergsoll und ist Teil des europäischen Vogelschutzgebietes Unteres Elbtal (LANDKREIS PRIGNITZ 2014).








Für die Messung werden drei Messstationen benutzt. Um einen möglichst unterschiedlichen Einfluss der Temperatur beeinflussenden Faktoren Globalstrahlung und Verdunstung zu erhalten, wird eine Station mittig im Moor (53,026961 N 11,867345 E) platziert, die beiden anderen an Nord- (53,163500 N 11,520500 E) und Südrand (53,013540 N 11,520221 E) nahe des Waldrandes (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2 Schematische Darstellung der Lage der drei Messstationen innerhalb des Moores. (eigene Darstellung)

Die Lufttemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit wird in einem Meter Höhe mithilfe des digitalen Feuchte- und Temperatursensors SHT75 der Firma Sensirion (SENSIRION AG 2015) gemessen. Die einfallende Globalstrahlung wird mit dem Pyranometer CS300 von Apogee Instruments Inc. aufgezeichnet (TU BERLIN 2015b
Zur Visualisierung und Auswertung der Daten wird das Statistik Programm Rstudio in der Version 0.98.1103 (RSTUDIO 2015) benutzt. Das kommentierte Skript und die Messdaten sind unter https://owncloud.tu-berlin.de/public.php?service=files&t=ff4276915eac40e071459d48287adff8 öffentlich abrufbar. Es werden die Messwerte für einen 24-stündigen Messzeitraum vom 12.11.2014 07:00 Uhr, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, bis zum 13.11.2014 07:00 Uhr betrachtet. Die Analyse gliederte sich in fünf Schritte:

  1. Einlesen und Vorbereiten der Daten,
    Auslesen des Datenloggers und Reduzierung der Daten auf den Messzeitraum.
  2. Betrachtung der bodennahen Temperaturwerte,
    Erstellen von Zeitreihen und Differenzkurven. Berechnen von Maximum, Minimum & Mittelwert.
  3. Betrachtung der Globalstrahlung,
    Erstellen von Boxplots. Berechnen von Maximum, Standardabweichung & Mittelwert.
  4. Betrachtung der absoluten Luftfeuchtigkeit.
    Berechnen der absoluten Luftfeuchtigkeit mit der Magnus-Formel (MALBERG 2007).
    Erstellen von Zeitreihen. Berechnung von Maximum, Minimum & Mittelwert.

Ergebnis

Im Folgenden werden zunächst die gemessenen Werte der bodennahen Lufttemperaturen beschrieben. Danach folgt die Betrachtung der Globalstrahlung und abschließend der absoluten Luftfeuchtigkeit.

Abbildung 3 Die zeitlichen bodennahen Lufttemperaturverläufe der drei Messstationen vom 12.11.2014 7:00 Uhr bis zum 13.11.2014 7:00 Uhr. Die bodennahen Lufttemperaturen der mittleren (schwarz), nordexponierten (grau) und südexponierten Station (blau) wurden in einem Meter Höhe gemessen (eigene Darstellung).

Die Messdaten zeigen, dass die bodennahe Lufttemperatur in einem Meter Höhe am nordexponierten Moorrand mit 10,03 °C am höchsten ist. Die bodennahe Durchschnittslufttemperatur der südexponierten Messstation beträgt 9,79 °C, was der bodennahen Durchschnittslufttemperatur in der Moormitte mit 9,87 °C den mittleren Rang zukommen lässt. Werden die Messungen im Tagesgang betrachtet (vgl. Abb. 3), zeigt sich, dass zu Beginn der Messungen die Temperaturen auf einem ähnlichen Niveau liegen. Sie reichen von 8,49 °C bis 8,58 °C. Zusammen mit dem Sonnenaufgang steigen die Temperaturen bis 15 Uhr auf Maxima von 10,68 °C bis 10,94 °C und fallen danach wieder. Während die Messwerte der südexponierten und mittigen Station sehr ähnlich sind, liegen die Werte der nordexponierten Station um bis zu 0,48 K darüber (vgl. Abb. 4). Durchschnittlich beträgt der Unterschied der beiden Stationen zur Nordexponierten 0,20 K. Bis ca. 14 Uhr nähert sich die Temperatur der mittleren Station stark an die der Nordexponierten an. Die Kurven laufen dann auseinander, bis sich das Maximum herausbildet. Sobald die Abkühlung einsetzt, nähern sich die bodennahen Lufttemperaturen der mittleren Station und der südexponierten stark aneinander an, während der Unterschied zur nordexponierten Station stärker wird.

Abbildung 4 Zeitliche Verläufe der Globalstrahlung der drei Messstationen vom 12.11.2014 7:00 Uhr bis zum 13.11.2014 7:00 Uhr. Mittlere (schwarz), nordexponierte (grau) und südexponierte Station (blau) (eigene Darstellung).

Betrachtet man die Globalstrahlung, fallen die Messwerte an allen drei Stationen unterschiedlich aus(vgl. Abb. 4). Bei der Betrachtung der Globalstrahlung werden nur die Messzeiträume während der Sonnenscheindauer berücksichtigt. Daher werden Werte mit einer Globalstrahlung von 0 W/m² aus der Messreihe entfernt. Die Station in der Moormitte verzeichnet mit durchschnittlich 19,89 W/m2 (Standardabweichung 13,09) die höchste Strahlung. Die Mittelwerte der Nordexponierten (14,24 W/m2 mit Standardabweichung 8,96) und der Südexponierten (15,73 W/m2 mit Standardabweichung 10,06) sind ähnlich. Die Maxima liegen in der Mitte bei 46,87 W/m2 , Südexponiert bei 37,00 W/m2 und Nordexponiert bei 33,0 W/m2.

Abbildung 5 Zeitliche Verläufe der absoluten Luftfeuchtigkeit der drei Messstationen vom 12.11.2014 7:00 Uhr bis zum 13.11.2014 7:00 Uhr. Mittlere (schwarz), nordexponierte (grau) und südexponierte Station (blau) (eigene Darstellung).

Die absolute Luftfeuchtigkeit wurde mithilfe der Magnus-Formel (MALBERG 2007) aus der gemessenen relativen Luftfeuchtigkeit und der Temperatur berechnet. Durchschnittlich herrscht an der mittleren Station eine absolut Luftfeuchtigkeit von 9,27 g/m3, an der Nordexponierten von 9,35 g/m3 und an der Südexponierten von 9,22 g/m3. Der Zeitverlauf (vgl. Abb. 5) ähnelt dem der bodennahen Lufttemperaturen (vgl. Abb. 3.), auch hier liegen die Messwerte der einzelnen Stationen dicht beieinander. Bis ca. 14 Uhr nähert sich die absolute Luftfeuchtigkeit der mittleren Station an die der Nordexponierten an. Danach verzeichnet die mittlere Station die höchsten Messwerte und die Werte der nord- und südexponierten Stationen ähneln sich stark.

Diskussion

Entgegen unserer Hypothese, die bodennahen Lufttemperaturen seien in der Moormitte niedriger als an den Randstandorten, zeigen die Messdaten, dass die Durchschnittstemperatur am südexponierten Moorrand mit 9,79°C am geringsten ist. Die der mittigen Station liegt bei 9,87°C. Am nordexponierten Standort ist es mit 10,03°C am wärmsten. Unsere Hypothese wurde damit falsifiziert. Auffällig ist aber, dass die Unterschiede der Durchschnittstemperaturen sich im Zehntel-Grad-Bereich befinden. Laut TU BERLIN b (2015) liegt die Messungenauigkeit des Temperatursensors bei einer Umgebungstemperatur von +5°C bis +40°C bei ±0,4 K. Aus Abb. 5 folgt direkt, dass sich die Differenzen der Temperaturkurven fast vollständig innerhalb des Messfehlerbereiches befinden. Obwohl die Kurven einen differenzierten (wenn auch ähnlichen) Verlauf zeigen, kann nicht von einer aussagekräftigen Datenreihe ausgegangen werden, da sich die mikroklimatischen Bedingungen im Moor nicht optimal entfalten konnten. Folglich konnten wir die Hypothese von HEATHWAITE et al. (1993), das Mikroklima von Mooren sei durch die Entstehung von Kaltluft geprägt, nicht bestätigen. Laut DIERSSEN UND DIERSSEN (2001) sei zudem der Tagesgang der Temperatur über einer Mooroberfläche durch eine größere Amplitude im Vergleich zur Umgebung geprägt. Auch dies konnten wir nicht bestätigen. Laut GÖTTLICH (1990) ist das Mikroklima nämlich in einem Moor nur während wolkenlosen Bedingungen mit ungestörter Ein- und Ausstrahlung deutlich ausdifferenziert. Während des Messzeitraums wiesen unsere Messungen der Globalstrahlung von Sonnenaufgang des 12.11.14 bis Sonnenuntergang jedoch nur ein Maximum von 46,87 W/m² in der Moormitte auf. Der Betrag der Globalstrahlung bei Sonnenschein liegt in Mitteleuropa laut PALZ et al. (1996) im Jahresdurchschnitt bei ca. 1200 W/m². Dieser von uns gemessene Maximalwert weist also auf eine konstant bestehende Wolkendecke während der Sonnenscheindauer des Messzeitraums hin (PALZ et al. 1996). Unter diesem Umstand hängt die am Boden gemessene Globalstrahlung nicht mehr von der Direktstrahlung ab, sondern vom Betrag der Diffusstrahlung. Deren Intensität ist wiederum direkt von der Horizonteinschränkung abhängig. Das erklärt auch, warum die gemittelte, gemessene Globalstrahlung beider Moorrandstandorte sich nur geringfügig unterscheidet (vgl. Abb. 4). Beide weisen eine ähnliche Horizonteinschränkung auf, die sich aus ihren Positionen an der Waldkante ergibt. Die Station in der Moormitte besitzt eine deutlich geringere Horizonteinschränkung, was das höhere Globalstrahlungsmittel von 19,89 W/m² erklärt. Trotzdem verhindert die konstante Bewölkung der Großwetterlage eine optimale Herausbildung des moortypischen Mikroklimas.
Die Großwetterlage bedingt durch die geringe Globalstrahlung auch eine geringe Verdunstung über dem Moor (GÖTTLICH 1990). Dies geschieht aufgrund der ausbleibenden Erwärmung, was erklärt, warum auch die Verläufe der absoluten Luftfeuchtigkeiten nicht stark ausdifferenziert sind (siehe Abb. 5). Damit konnten wir auch die Hypothese von SŁOWIŃSKA et al. (2010), ein Moor sei durch höhere Luftfeuchtigkeit in den bodennahen Schichten geprägt, nicht bestätigen. Bei Sonnenschein wäre eine höhere Verdunstung und damit eine höhere Luftfeuchtigkeit der Moormitte mit ihren offenen Wasserstellen zu erwarten (ebd.). Die Messergebnisse zeigen jedoch, dass stattdessen die nordexponierte Station die höchste Luftfeuchtigkeit aufweist. Zur Berechnung der absoluten Luftfeuchtigkeit werden unter Verwendung der Magnusformel (MALBERG 2007) die von uns gemessenen Werte der relativen Luftfeuchtigkeit mit einbezogen. Eine höhere Temperatur an der nordexponierten Station bedingt folglich auch die höhere absolute Luftfeuchtigkeit bei gleichbleibender Bodenfeuchte am Standort.

Schlussfolgerungen

Es muss also angenommen werden, dass sowohl die von uns verzeichneten Temperaturverläufe, als auch die Luftfeuchtigkeitsverläufe aufgrund der marginalen Messunterschiede (geschuldet der Großwetterlage) so gewichtig mit Messunsicherheiten behaftet sind, dass eine Beantwortung unserer Fragestellung anhand der Messdaten nicht eindeutig vollzogen werden kann. Auch konnten die Hypothesen von DIERSSEN UND DIERSSEN (2001), HEATHWAITE et al. (1993) und GÖTTLICH (1990) nicht bestätigt werden.
Die günstigsten klimatischen Gegebenheiten zur Messung des Mikroklimas in einem Moor sind Windstille und Wolkenlosigkeit (GÖTTLICH 1990). Bei weiteren oder ähnlichen Messungen sollte demnach auf eine autochthone Wetterlage geachtet werden. Eine solche wird eher vorherrschen, wenn ein längerer Messzeitraum angestrebt wird. So sollten sich, eine autochthone Wetterlage vorausgesetzt, unsere Hypothese, sowie die Hypothesen von DIERSSEN UND DIERSSEN (2001), HEATHWAITE et al. (1993) und GÖTTLICH (1990) überprüfen lassen.  

Quellen

Abbildungen

Abbildung 1: Nach openstreetmap und wikipedia. URL: www.openstreetmap.org & https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#/media/File:Deutschland_politisch_2010.png [Stand: 03.08.2015]

Gesetze

  • BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) i.d.F. vom 07 August 2013, BGBl. I S. 3154.
  • BbgNatSchAG (Brandenburgisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz) i.d.F. vom 21. Januar 2013 (GVBl.I/13, Nr. 03, ber. (GVBl.I/13 Nr. 21))

Literatur

  • BMUB (BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT), 2007: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, S.180, Berlin.
  • CHARMAN, D., 2002: Peatlands and Environmental Change. John Wiley and Sons Ltd, West Sussex, England.
  • DIERSSEN, K. & DIERSSEN, B., 2001: Moore. 1 Auflage. Ulmer: Stuttgart. 230 S.
  • HEINKE, F., 2008: Vegetationskundlicher Vergleich historisch alter und neuzeitlicher Waldflächen
  • auf unterschiedlich nährstoff- und wasserversorgten Standorten in der Prignitz. Diplomarbeit, FH Eberswalde.
  • GÖTTLICH, K., 1990: Moor und Torfkunde. 3. Aufl. E. Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung: Stuttgart. 529 S.
  • HEATHWAITE ,A. ,L. (Hrsg.), 2003: Hydrological processes in abandoned and restored peatlands: An overview of management approaches. In: Wetlands Ecology and Management, S.11.
  • HOJDOVA et al., 2005: Microclimate of a peat bog and of the forest in different states of damage in the Šumava National Park. Silva Gabreta vol. 11 (1), p. 13–24, Vimperk.
  • IPCC (INTERGOVERNMENTAL PANEL ON CLIMATE CHANGE), 2014: Climate change 2014: Mitigation of climate change. Working Group III contribution to the IPCC fifth assessment report. IPCC Secretariat: Genf. 1454 S.
  • KUTTLER, W., 2013: Klimatologie. 2. Aufl. Schöningh UTB: Stuttgart. 260 S.
  • LANDGRAF, 2005: mündliche Mitteilung; nach MEIER, 2006: WAMOS - eine DSS-gestützte
  • Managementstrategie für Waldmoore. Waldmoore, Schutzwürdigkeit, Zustand und Handlungsbedarf, S.19, Berlin.
  • LEMLY & COOPER, 2011: Multi-scale factors control community and species distribution in mountain peatlands. Botany 80, S. 689-713.
  • MALBERG 2007: Meteorologie und Klimatologie : eine Einführung. 5. Aufl. Springer: Berlin. 395 S.
  • MARKERT, A., 2012: Einfluss von Substrateigenschaften auf die Wärmeleitfähigkeit von Böden. Bodenphysikalische Nutzungsaspekte vonErdwärmekollektoren. Diplomarbeit am FG Standortkunde und Bodenschutz, TU Berlin. 75 S.
  • PALZ, W. (Hrsg.) 1996: European Solar Radiation Atlas. Solar Radiation on Horizontal and Inclined Surfaces. 3. Aufl. Compiled by F. Kasten et al. Berlin, Heidelberg, New York.
  • SCHÖNWIESE, C.-D., 2008: Klimatologie. 3. Auflage Ulmer UTB: Stuttgart. 440 S.

Internet


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